Foto: Udo Kellmann ist Einzelhändler mit reichlich Erfahrung. Die Wäsche-Abteilung seines LöwenCenters in Bergisch Gladbach ist eine der größten der Region.
LöwenCenter. Vor 30 Jahren übernahm Udo Kellmann mit Partnern die Immobilie des heutigen LöwenCenter in der Fußgängerzone der Bergisch Gladbacher Stadtmitte von Kaufring. Vor 50 Jahren hatte der Warenhaus-Konzern Hertie das Kaufhaus eröffnet. Zwischenzeitlich verkaufte auch Saturn dort auf einer eigenen Etage.
Udo Kellmann hat alle Facetten des Einzelhandels miterlebt. Der heutige Geschäftsführer und Inhaber von Gladbachs einzigem Warenhaus LöwenCenter leitete schon einmal die weltweit größte Woolworth-Filiale. „In Berlin war das, und da haben wir hohe zweistellige Millionenumsätze im Jahr gemacht“, erinnert er sich, muss aber sofort hinzufügen: „Da stand die Mauer noch, das ist also schon einige Zeit her.“
Heute sehen Zeiten und Umsätze im stationären Einzelhandel anders aus. Onlinehandel, ständig steigende Miet-, Betriebs- und Personalkosten, Kellmann machte vor allem während Corona mit seinem LöwenCenter eine harte Zeit durch: „Ohne die eigene Immobilie hätten wir wohl schließen müssen.“
Dabei war genau dieser Standort einmal das Sahnestück des Gladbacher Einzelhandels. 1975 machte hier das Warenhaus Hertie auf, am Eröffnungstag gab es wegen des hohen Andrangs ein Verkehrschaos auf der noch befahrenen Hauptstraße, die heute Fußgängerzone ist. Zu Hochzeiten waren in dem Kaufhaus 600 Mitarbeitende beschäftigt, es gab einen eigenen Betriebsarzt und alleine in der Haustechnik arbeiteten 25 Menschen.
Kellmann kommt im LöwenCenter heute mit rund 70 Mitarbeitenden in Voll- und Teilzeit aus. Um die Technik kümmert sich genau ein Elektriker. Und das bei einem sehr breiten Warenangebot. Die Wäscheabteilung ist für die in der Region bemerkenswert große Auswahl bekannt, es gibt Kleidung, Spielzeug, Küchenutensilien, Sport-Equipment, Schreibwaren und – ganz selten geworden – Kurzwaren wie Garnröllchen.
„Wir fahren auf Sicht, schreiben eine schwarze Null, mehr braucht es im Moment auch nicht. Der Umsatz im stationären Einzelhandel ist in den letzten 30 Jahren gravierend zurückgegangen“, sagt Kellmann zur derzeitigen Situation und der Zukunft des LöwenCenter. Für die allgemein herausfordernde Lage des Einzelhandels hat aber auch der Einzelhandels-Routinier keine Ad-hoc-Lösung: „Es gibt kein sicheres Rezept – außer du hast einen Artikel, den nur du hast. Oder einen Preis, den nur du bieten kannst.“ Er bleibt gelassen und als erfahrener Experte machen ihm auch die ständig wechselnden Rahmenbedingungen keine großen Sorgen mehr. „Planung ist, wenn man den Zufall durch Irrtum ersetzt“, fügt er humorvoll hinzu.