Das Warten auf die Bahn

Alle fünf Minuten wird vorrausichtlich in zehn Jahren eine S-Bahn Richtung Köln fahren – und eine ankommen.

Foto: Alle fünf Minuten wird vorrausichtlich in zehn Jahren eine S-Bahn Richtung Köln fahren – und eine ankommen. 

 

Top-Thema: Das zweite Gleis für die S-Bahn

Das zweite S-Bahn-Gleis in Bergisch Gladbach kommt, die Bahn wird zukünftig im 5-Minuten-Takt nach Köln und darüber hinausfahren. Doch darauf müssen Bahnkunden noch lange warten – grob geschätzt etwa zehn Jahre.

 

Von Klaus Pehle

Fast 60 ICE-Züge der Deutschen Bahn halten täglich in Siegburg. In 40 bis 50 Minuten rast man von hier mit einem Tempo von mehr als 300 km/h zum Flughafen Frankfurt am Main. In etwas über vier Stunden erreicht man per Direktverbindung den Hauptbahnhof in München. Die Kreisstadt des Rhein-Sieg-Kreises ist gut angebunden an den Fernverkehr und das, obwohl sie nur knapp 43.000 Einwohner hat.

Und Bergisch Gladbach? Mit über 111.000 Einwohnern hat die Kreisstadt des Rheinisch-Bergischen Kreises bis heute noch nicht einmal eine Anbindung an das Regionalbahn-Netz. Noch einmal ein Vergleich: Rösrath (Einwohnerzahl aktuell etwa 28.000) hat drei Regionalbahn-Stationen, je nach Einstiegsort ist man in 17 bis 25 Minuten am Hauptbahnhof in Köln.

Man tut den Städten Rösrath und Siegburg sicher nicht Unrecht, wenn man sagt, dass die günstige strategische Lage und nicht ihre überregionale Bedeutung für die gute Anbindung ausschlaggebend ist. Und man ist auch kein Schwarzseher, wenn man behauptet, dass sowohl die RB25 (Rösrath-Köln) als auch die ICEs Richtung Frankfurt und München die vorausgeplanten Fahrtzeiten zurzeit eher selten als oft exakt einhalten können.

Und in Bergisch Gladbach tut sich ja was. Im 5-Minuten-Takt sollen die S-Bahnen in Zukunft Richtung Köln abfahren. Ein zweites Gleis bis Köln-Dellbrück plant man dazu. In Duckterath eine neue Station, in Bergisch Gladbach selbst einen neuen Endhaltepunkt mit mehreren Bahnsteigen, eine Brücke, um die Autos über die Bahnlinie zu bekommen und ein digitales Stellwerk. „Ich denke, wir sind jetzt so weit, wie wir noch nie waren“, sagt Willi Schmitz von der Infrastruktur- und Projektgesellschaft Bergisch Gladbach mbH (IPGL). „Wir sind auf einem guten Weg. Das Projekt hat schon einige Hürden genommen – wenn auch nicht alle.“

Hürden nehmen ist eines der Hauptziele der erst 2024 gegründeten IPGL, die das Projekt S-Bahn-Ausbau für die Stadt Bergisch Gladbach seitdem voranbringt, steuert und koordiniert. Für die Koordination mit der Bahn, dem wichtigsten Akteur in der Planungs- und später auch in den Umsetzungsphasen, hat man mit Dr. Sebastian Michalsky einen geeigneten Mann engagiert. Seit April ist er Geschäftsführer der IPGL. Vorher war er Leiter des Baumanagements bei der Bahn. 900 Bauvorhaben an Bahnhöfen hat er da im Blick gehabt. „Ja, das ist ein Vorteil“, sagt der Manager in Bezug auf das Projekt in Bergisch Gladbach. Klar: Er kennt die Konzernstrukturen bei der Bahn, ist gut vernetzt und hat reichlich Erfahrung mit Dingen wie Bahnhofbau, Gleis- und Signalanlagen.

Von der Stadt Bergisch Gladbach aus gesehen läuft auch alles rund bei dem Projekt. Nahezu uneingeschränkt einstimmige Beschlüsse fasste der Stadtrat zu den Planungen – zuletzt für den Bau einer Brücke über die Gleisanlagen. Die ist unabdingbar, denn bei einem 5-Minuten-Takt wäre die Schranke eines Bahnübergangs wie jetzt an der Tannenbergstraße fast immer geschlossen. „Man sieht quer durch die Politik, dass man etwas verbessern will“, so Schmitz zu den Entscheidungen im Rathaus. „Aber man weiß auch, dass man nur am Rande beteiligt ist. Hauptplayer ist die Deutsche Bahn.“

An der Britanniahütte wird der Autoverkehr über die neuen Gleise geführt.
An der Britanniahütte wird der Autoverkehr über die neuen Gleise geführt.
©ARGE MBS go.Rheinland

Schmitz erklärt den notwendigen nächsten Step so: „Was die Bahn als nächsten Schritt braucht und wo sie eigentlich täglich drauf wartet, ist, genauso wie wir, der sogenannte Planfeststellungsbeschluss für Bergisch Gladbach. Im Prinzip wartet die Bahn jetzt auf das Go des Eisenbahn-Bundesamtes, das ist die Aufsichtsbehörde. Und auf der Grundlage des Beschlusses dürfen dann die nächsten Schritte eingeleitet werden.“ Die nächsten Schritte sind dann schon konkrete Planungen für den Bahnhofs- und Schienenausbau.

Bei dem Beschluss des Eisenbahnbundesamtes mitwirken muss auch die IPGL und den Beschluss zu beschleunigen, ist Michalskys Ziel: „Ich kann nicht das Eisenbahnbundesamt schneller machen, aber ich kann dafür sorgen, dass die Unterlagen so schnell und so sauber wie möglich beim Eisenbahnbundesamt liegen.“ Zur Frage der Frage, wann denn endlich die S-Bahn im 5-Minuten-Takt fährt, gibt Schmitz einen inoffiziellen Hinweis: „Ich bin – hoffentlich – noch zehn Jahre bei der Stadt Bergisch Gladbach beschäftigt und ich würde noch gerne, egal in welcher Funktion, erleben, dass irgendwann hochrangige Herren und Damen das rot-weiße Band durchschneiden.“

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